Vom Azubi zum Ausbilder

Schön, dass ihr den Weg auf meine Webseite gefunden habt. Ich möchte mich euch in diesem Beitrag ein wenig vorstellen und euch von meinem Leben erzählen. Mein Name ist Heinrich Sondgerath und ich wohne mittlerweile in Bottrop, aufgewachsen bin ich jedoch in Düsseldorf. Schon seit längerem hatte ich mit dem Gedanken gespielt, mir eine eigene Webseite einzurichten und nun hat es endlich geklappt. Ich möchte hier vor allem über meinen beruflichen Alltag schreiben. Bestimmt werde ich auch einige Branchenthemen aufgreifen und würde mich außerdem darüber freuen, wenn sich einige von euch an Diskussionen beteiligen.

Mein Leben verlief bisher eigentlich alles andere als geplant. Nachdem ich mein Abitur in Düsseldorf erfolgreich abgeschlossen hatte, habe ich mit einem Studium im sozialen Bereich begonnen. Nach einem Semester hatte ich jedoch zu einem betriebswirtschaftlichen Studium gewechselt, da mir der soziale Bereich nicht wirklich lag. Doch auch hier hatte ich kurzerhand das Handtuch geworfen und bin ohne Abschluss nach Düsseldorf zurückgekehrt.

Wie viele andere in derselben Situation war ich damals einfach nur planlos was mein Leben anbelangte. Ich wusste einfach nicht, welcher Arbeit ich denn nun nachgehen sollte und hielt mich mit kleinen Nebenjobs über Wasser. Nachdem mein Vater seine Kontakte hatte spielen lassen, hatte ich eine Ausbildung in einem Betrieb begonnen, welcher sich auf die Herstellung von Luxusmöbelstücken spezialisiert hatte.

Meine Ausbildungszeit

Ich war weder vom Unternehmen, geschweige denn von der Arbeit an sich angetan. Verkaufsberater in einem Betrieb für Luxusmöbelstücke? Nein, das konnte es einfach nicht sein. Dementsprechend trat ich auch meine Ausbildung an. Mir war es vollkommen egal, ob ich im Unternehmen Fuß fasse oder nicht. Dies sollte sich aber schon bald ändern. Grund hierfür war mein Ausbilder: Marco, welcher bereits mehrere Jahre im Unternehmen tätig war.

Wie schon vorhin beschrieben, war mir alles gleichgültig. In meinen ersten Arbeitswochen kam ich ständig zu spät und zeigte auch keinerlei Interesse am Betrieb. Obwohl Marcos Auftreten respekteinflößend ist, trat ich ihm dennoch spöttisch gegenüber. Zu meinem Erstaunen zeigte dies jedoch keine Wirkung, man drohte mir auch nicht, die Azubizeit zu beenden. Ich denke, das hatte vermutlich damit zu tun, dass mein Vater den Abteilungschef recht gut kannte.

Marco, ein Freund?

Nachdem sich Herr Flohrad, der Abteilungsleiter, bei meinem Vater beschwert hatte, habe ich schon mit meinem Rauswurf gerechnet. Doch wie sich später herausstellte, war es Marco, welcher sich für mich stark machte. Dieser beharrte darauf, mir eine letzte Chance zu geben und überzeugte seinen Chef, mich weiterhin im Unternehmen zu behalten. Marco lud mich am darauffolgenden Tag nach Arbeitsende auf ein Bier ein und wollte mir sprechen.

Er erzählte mir dabei von seinem Leben, dass er es familiär nicht einfach hatte und mich verstehen würde. Ich hatte derartige Aussagen bereits befürchtet und ihn nicht an mich rankommen lassen. Er erzählte jedoch weiter von seinem Leben, welches zugegebenermaßen sehr meinem ähnelte. Auch er verhielt sich rebellisch seinen Arbeitgebern gegenüber und hatte keine Ahnung, was er mit seinem Leben anfangen solle. Als ich ihn fragte, warum er sich also für etwas entschieden hatte, was er gar nicht wollte, holte er seine Brieftasche hervor und zeigte mir ein Foto, auf welchem seine Frau und seine zwei Kinder zu sehen waren. „Das ist der Grund.“

Er erklärte mir, dass es sich lohnt, im Leben für eine Sache zu kämpfen und ich mein Leben nicht einfach so wegwerfe, sondern die Chance ergreifen solle. Auch wenn ich es mir nicht anmerken ließ, so berührte mich seine Geschichte schon sehr und ich blickte meinem Ausbildungsposten plötzlich anders gegenüber. Auch Marco war für mich kein Ausbilder mehr, sondern ein neugewonnener Freund.

Ich bin Ausbilder

Schon am nächsten Arbeitstag blickte ich dem Ganzen anders gegenüber und ich verspürte eine noch nie dagewesene Motivation. Auch persönlich hatte sich bei mir einiges getan. Ich sah dem Leben positiv entgegen und war nicht mehr so negativ eingestellt. Ich kam mir plötzlich als vollwertiges Mitglied und nicht mehr als „günstige“ Arbeitskraft vor. Nachdem ich vier Jahre im Unternehmen tätig war – ich war mittlerweile sehr eng mit Marco befreundet – verabschiedete er sich, da er einen besseren Posten in der Schweiz ergattern konnte.

Mir tat es zwar sehr Leid, doch als ich erfuhr, wen er für den neuen Ausbilderposten vorgeschlagen hatte, überkam mich die Freude: ich sollte neuer Ausbilder im Betrieb werden. Ich hatte sofort zugestimmt und bin nun schon seit knapp 15 Jahren als Ausbilder tätig. Noch immer treffe ich auf junge Erwachsene, welche sich ebenso verhalten, wie ich es einmal tat. Doch Marco öffnete mir damals die Augen und ich versuche, mich den Auszubildenden auch als Freund zu öffnen und nicht als Vorgesetzter zu schimpfen.

Wenn ich zurückblicke hatte ich damals die richtige Entscheidung getroffen. Ich versuche, die Ausbildung mit all ihren Facetten lehrreich, mit Humor und Zielorientierung sowie abwechslungsreich zu gestalten. Mit Marco bin ich im Übrigen noch im Kontakt. Er steht kurz vor seinem Ruhestand und lebt glücklich mit seiner Familie in Zürich.