Auszubildende motivieren

Eine der wichtigsten Aufgaben eines Ausbilders ist es, die Motivation der Azubis zu fördern, denn wie engagiert ein Auszubildender im Betrieb zu Werke geht und welchen weiteren Werdegang er im Handwerk nimmt, liegt auch in Händen des Ausbilders. Als ausbildende Fachkraft in einem Handwerksbetrieb ist man mit einigen Herausforderungen konfrontiert. Nicht jeder Auszubildende bringt die gleichen Fähigkeiten mit und nicht jeder ist in gleichem Maße motiviert für seine Aufgaben. Mit der richtigen Strategie kann man Azubis motivieren.

Zunächst einmal ist es sehr wichtig, dass man Anzeichen einer mangelnden oder nachlassenden Motivation frühzeitig wahrnimmt. Solche Anzeichen können beispielsweise Unmuts- bzw. Unlustäußerungen als Reaktion auf Aufgabenzuweisungen, Erklärungen oder Hinweise sein. Auch Nachlässigkeit bzw. Unzuverlässigkeit bei der Ausführung übertragener Aufgaben sowie häufigeres Zuspätkommen und mangelnde Bereitschaft und Initiative können Anzeichen dafür sein, dass die Motivation nachlässt.

Warum sind Azubis unmotiviert?

Die Hintergründe solch nachlassender Lern- und Leistungsbereitschaft können vielfältig sein, und je nachdem, wo die Ursachen liegen, muss damit auch unterschiedlich umgegangen werden. Allerdings sieht man es manchmal den Auszubildenden nicht an, was hinter ihrer vermeintlichen Lustlosigkeit steht. Als Auszubildender sollte man jedoch keine voreiligen Schlussfolgerungen ziehen, sondern am besten die Auszubildenden direkt anzusprechen. Häufig liegen die Ursachen in Unterforderung bzw. Überforderung, Ablenkung durch private Interessen und Probleme, Unzufriedenheit mit den Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen sowie mangelndes Interesse am Beruf.

Folgen mangelnder Motivation

Unzuverlässigkeit und geringe Leistungsbereitschaft führen leicht zu Konflikten mit anderen Auszubildenden, mit Kollegen und Kolleginnen, mit Vorgesetzten und unter Umständen auch mit Kunden. Nachlassende Leistungen ziehen auch häufig ein Versagen in Prüfungen mit sich. Letztlich kann es auch dazu führen, dass Auszubildende ihre Ausbildung abbrechen. Eine Umfrage ergab übrigens, dass mangelnde Motivation der häufigste Grund ist, eine Ausbildung abzubrechen.

Motivation der Azubis fördern

Man hat grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten und Formen, die Motivation der Jugendlichen zu fördern – und zwar nicht erst dann, wenn Interesse und Leistungsbereitschaft nachlassen, sondern von Beginn der Ausbildung an.

  • Sehr wichtig ist es, dass Auszubildende frühzeitig damit beginnen, etwas selber zu machen. Sicher, Auszubildenden muss man vieles erst einmal zeigen und vormachen, dennoch sollte man diesen Punkt im Hinterkopf behalten. Dabei sind Arbeiten an „echten“ Aufträgen und Produkten immer reinen Übungsaufgaben vorzuziehen.
  • Auch wenn nur Übung den Meister macht, sollte man sich bemühen, Abwechslung in den Ausbildungsalltag zu bringen. So sollte man sowohl den Schwierigkeitsgrad sowie den Umfang und die Komplexität der Aufgaben variieren. Man sollte auf jeden Fall die unterschiedlichen Ausbildungsmethoden nutzen, dazu zählen Vorträge, Lehrgespräche, Lernaufträge und viele mehr. So bietet man Auszubildenden immer wieder die Möglichkeit von Erfolgserlebnissen.
  • Auch sollte man Auszubildende mit ganz neuen, anspruchsvollen Aufgaben konfrontieren. Dabei fördert man die Kreativität und Eigeninitiative. Man sollte den Auszubildenden ausreichend Freiräume zum Selbstgestalten bieten.

Wie wichtig ist ein Lob?

Ein Lob ist der Motivation förderlicher als ein Tadel. Deshalb ist auch ein kleines Lob wichtig, wenn man Lernfortschritte feststellt, selbst wenn diese nur gering sind. In unserem Unternehmen werden auch gerne beschädigte Möbelstücke, welche nicht an Kunden verkauft werden können, an Auszubildende und Mitarbeiter, welche hervorragende Arbeit leisten, verschenkt. Erst vor kurzem hatte mein Chef einem Auszubildenden einen Retro Kühlschrank, dessen Chromgriff leicht beschädigt war, geschenkt. Natürlich sollte man es damit nicht übertrieben, doch generell gilt: Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig loben.

Wie geht man mit schwierigen Azubis um?

So, ich möchte euch heute mal wieder eine Geschichte aus meinem beruflichen Alltag erzählen. Seit zwei Wochen haben wir neue Auszubildende bei uns im Unternehmen und wie immer ist aller Anfang schwer. Es treffen mal immer wieder zwei Generationen und die unterschiedlichsten Menschen aufeinander. Es ist häufig nicht ganz einfach mit jungen Erwachsenen umzugehen, auch deshalb, da viele die Ausbildung nicht ernst nehmen oder nur deshalb eine Ausbildung anfangen, um irgendetwas zu tun. Ich möchte allen Ausbildern einige Tipps mit auf den Weg geben, wie man mit schwierigen Azubis umgeht.

Mal wieder alles dabei

Ich bilde immer Gruppen von circa fünf bis zehn Azubis in der Gartenpflege Hamburg aus. Viele von ihnen nehmen die Ausbildung von Anfang an ernst, andere wiederum sehen in mir einen Vorgesetzten, der ihnen vorschreiben möchte, wie sie ihr Leben zu führen haben. Auch dieses Mal habe ich solche Kandidaten dabei – Hendrik und Janine. Hendrik hatte die Schule mit sechzehn Jahren geschmissen und seine letzte Ausbildung abgebrochen. Er ist sehr frech mir gegenüber und passt sich dem Unternehmen leider nicht an.

Janine ist anders, sie möchte ihre Ausbildung zwar absolvieren und später sogar einen Job bei uns annehmen, ist allerdings völlig abwesend. Sie unterhält sich ständig mit anderen Azubis und lenkt diese ab oder erzählt von ihren Partys. Erst gestern hatte sie sich beispielsweise den ganzen Tag mit anderen Mädchen darüber unterhalten, wie sie sich eine Haarverlängerung online bestellt hat. Nun gut, man muss damit fertig werden, doch wie?

Was tun, wenn der Azubi Ärger macht?

Also grundsätzlich hat man drei Möglichkeiten. Zum einen kann man den Auszubildenden natürlich kündigen – sofern keine Möglichkeiten bestehen, diesen zur Vernunft zu bringen. In der Probezeit ist dies noch kein Problem, nach der Probezeit benötigt man jedoch einen schwerwiegenden Kündigungsgrund. Eine weitere Möglichkeit ist es, den Azubi bis zum Ende der Ausbildung zu ertragen und sich nicht weiter mit diesem auseinanderzusetzen, eine Übernahme steht natürlich nicht in Frage. Die meiner Meinung nach einzige Möglichkeit ist es, sich mit dem Azubi zu beschäftigen und die Konflikte zu lösen, um diesem jungen Menschen einen guten Abschluss zu ermöglichen und um sich in einem Unternehmen etablieren zu können.

Eine Lösung finden

Bei der Führung junger Menschen ist viel Sensibilität nötig. Im Gespräch mit dem Auszubildenden sollte man seine Position offen darlegen und klar und direkt sagen, was einem an ihm bzw. ihr stört und welche Veränderung man sich von dem Auszubildenden wünscht. Man darf dem Azubi auch sagen, was einem bewegt. In diesem Schritt sollte man sich auf keinen Fall provozieren lassen, sondern unbedingt sachlich reagieren. Es ist häufig nicht einfach, eine solche Konfliktsituation auszuhalten und das Unterbewusstsein meldet sich zu Wort. Man sollte dennoch die Ruhe bewahren und sich selbst kontrollieren.

Dann liegt es daran, mit dem Azubi zu verhandeln. Vereinbarungen sollten schriftlich festgehalten werden, sodass es später nicht zu unterschiedlichen Deutungen kommt. Dabei sollte man realistisch bleiben und nichts vereinbaren, auf was man sich selbst nicht einlassen kann. Außerdem gilt es darauf zu achten, so früh wie möglich zu handeln, um Eskalationen zu vermeiden und den Konflikt einfacher zu lösen.

Damit erst gar keine Probleme entstehen

Man muss den Azubis zuhören und sich im Gespräch auf Augenhöhe begeben, um somit das Vertrauen gewinnen zu können. Hat man dies erst erreicht, so kann man sich hier sicher sein, dass diese das Vertrauen nicht ausnutzen, sondern einen als Ausbilder respektieren. Frische Azubis schätzen meiner Erfahrung nach Menschen, an welchen sie sich orientieren können und ihnen Vorbilder sind. Wer klare Standpunkte vertretet und offen kommuniziert, sich Zeit für die jungen Menschen nimmt, diese akzeptiert und achtet, kann davon nur profitieren. Dieser Vertrauensaufbau schafft die Grundlage, um auch mit möglicherweise auftretenden Problemen umgehen zu können.

Vom Azubi zum Ausbilder

Schön, dass ihr den Weg auf meine Webseite gefunden habt. Ich möchte mich euch in diesem Beitrag ein wenig vorstellen und euch von meinem Leben erzählen. Mein Name ist Heinrich Sondgerath und ich wohne mittlerweile in Bottrop, aufgewachsen bin ich jedoch in Düsseldorf. Schon seit längerem hatte ich mit dem Gedanken gespielt, mir eine eigene Webseite einzurichten und nun hat es endlich geklappt. Ich möchte hier vor allem über meinen beruflichen Alltag schreiben. Bestimmt werde ich auch einige Branchenthemen aufgreifen und würde mich außerdem darüber freuen, wenn sich einige von euch an Diskussionen beteiligen.

Mein Leben verlief bisher eigentlich alles andere als geplant. Nachdem ich mein Abitur in Düsseldorf erfolgreich abgeschlossen hatte, habe ich mit einem Studium im sozialen Bereich begonnen. Nach einem Semester hatte ich jedoch zu einem betriebswirtschaftlichen Studium gewechselt, da mir der soziale Bereich nicht wirklich lag. Doch auch hier hatte ich kurzerhand das Handtuch geworfen und bin ohne Abschluss nach Düsseldorf zurückgekehrt.

Wie viele andere in derselben Situation war ich damals einfach nur planlos was mein Leben anbelangte. Ich wusste einfach nicht, welcher Arbeit ich denn nun nachgehen sollte und hielt mich mit kleinen Nebenjobs über Wasser. Nachdem mein Vater seine Kontakte hatte spielen lassen, hatte ich eine Ausbildung in einem Betrieb begonnen, welcher sich auf die Herstellung von Luxusmöbelstücken spezialisiert hatte.

Meine Ausbildungszeit

Ich war weder vom Unternehmen, geschweige denn von der Arbeit an sich angetan. Verkaufsberater in einem Betrieb für Luxusmöbelstücke? Nein, das konnte es einfach nicht sein. Dementsprechend trat ich auch meine Ausbildung an. Mir war es vollkommen egal, ob ich im Unternehmen Fuß fasse oder nicht. Dies sollte sich aber schon bald ändern. Grund hierfür war mein Ausbilder: Marco, welcher bereits mehrere Jahre im Unternehmen tätig war.

Wie schon vorhin beschrieben, war mir alles gleichgültig. In meinen ersten Arbeitswochen kam ich ständig zu spät und zeigte auch keinerlei Interesse am Betrieb. Obwohl Marcos Auftreten respekteinflößend ist, trat ich ihm dennoch spöttisch gegenüber. Zu meinem Erstaunen zeigte dies jedoch keine Wirkung, man drohte mir auch nicht, die Azubizeit zu beenden. Ich denke, das hatte vermutlich damit zu tun, dass mein Vater den Abteilungschef recht gut kannte.

Marco, ein Freund?

Nachdem sich Herr Flohrad, der Abteilungsleiter, bei meinem Vater beschwert hatte, habe ich schon mit meinem Rauswurf gerechnet. Doch wie sich später herausstellte, war es Marco, welcher sich für mich stark machte. Dieser beharrte darauf, mir eine letzte Chance zu geben und überzeugte seinen Chef, mich weiterhin im Unternehmen zu behalten. Marco lud mich am darauffolgenden Tag nach Arbeitsende auf ein Bier ein und wollte mir sprechen.

Er erzählte mir dabei von seinem Leben, dass er es familiär nicht einfach hatte und mich verstehen würde. Ich hatte derartige Aussagen bereits befürchtet und ihn nicht an mich rankommen lassen. Er erzählte jedoch weiter von seinem Leben, welches zugegebenermaßen sehr meinem ähnelte. Auch er verhielt sich rebellisch seinen Arbeitgebern gegenüber und hatte keine Ahnung, was er mit seinem Leben anfangen solle. Als ich ihn fragte, warum er sich also für etwas entschieden hatte, was er gar nicht wollte, holte er seine Brieftasche hervor und zeigte mir ein Foto, auf welchem seine Frau und seine zwei Kinder zu sehen waren. „Das ist der Grund.“

Er erklärte mir, dass es sich lohnt, im Leben für eine Sache zu kämpfen und ich mein Leben nicht einfach so wegwerfe, sondern die Chance ergreifen solle. Auch wenn ich es mir nicht anmerken ließ, so berührte mich seine Geschichte schon sehr und ich blickte meinem Ausbildungsposten plötzlich anders gegenüber. Auch Marco war für mich kein Ausbilder mehr, sondern ein neugewonnener Freund.

Ich bin Ausbilder

Schon am nächsten Arbeitstag blickte ich dem Ganzen anders gegenüber und ich verspürte eine noch nie dagewesene Motivation. Auch persönlich hatte sich bei mir einiges getan. Ich sah dem Leben positiv entgegen und war nicht mehr so negativ eingestellt. Ich kam mir plötzlich als vollwertiges Mitglied und nicht mehr als „günstige“ Arbeitskraft vor. Nachdem ich vier Jahre im Unternehmen tätig war – ich war mittlerweile sehr eng mit Marco befreundet – verabschiedete er sich, da er einen besseren Posten in der Schweiz ergattern konnte.

Mir tat es zwar sehr Leid, doch als ich erfuhr, wen er für den neuen Ausbilderposten vorgeschlagen hatte, überkam mich die Freude: ich sollte neuer Ausbilder im Betrieb werden. Ich hatte sofort zugestimmt und bin nun schon seit knapp 15 Jahren als Ausbilder tätig. Noch immer treffe ich auf junge Erwachsene, welche sich ebenso verhalten, wie ich es einmal tat. Doch Marco öffnete mir damals die Augen und ich versuche, mich den Auszubildenden auch als Freund zu öffnen und nicht als Vorgesetzter zu schimpfen.

Wenn ich zurückblicke hatte ich damals die richtige Entscheidung getroffen. Ich versuche, die Ausbildung mit all ihren Facetten lehrreich, mit Humor und Zielorientierung sowie abwechslungsreich zu gestalten. Mit Marco bin ich im Übrigen noch im Kontakt. Er steht kurz vor seinem Ruhestand und lebt glücklich mit seiner Familie in Zürich.